NUR EINE WEITERE WEIHNACHTSGESCHICHTE
(bilder fehlen noch (das ist kein untertitel, sondern eine aussage))

aus der verwirrung heraus, nicht zu wissen, wo ich anfangen soll, beginne ich wohl am ende:

letzten samstag abend, ... war wohl eher sonntag morgen, stand ich auf der gallerie einer kuppel, welche hoch über der stadt in den nachthimmel ragt. es war kühl, es roch nach winter und ein sanfter windhauch erinnerte einen, dass man zwar noch am leben war, aber es bald nicht mehr sein würde, wenn man sich nicht bald warm anziehen würde.

Es war eine ballnacht. im inneren spielte eine kapelle zum tanz auf. klassische musik drang bis nach aussen.

draussen standen wenige leute. ich stand auch nur so da. ein glas in der einen hand, ein weiteres in der anderen. ich mischte mir meinen baccardi cola auf unorthodoxe weise im mund. und wäre ich alleine gewesen, hätte ich trotz der umwerfenden aussicht dazu noch gegurgelt.

ich weiss nicht mehr, auf jeden fall nicht mehr sehr genau, wie ich in diese missliche lage geraten war, aber nichtsdestotrotz geht es hier ja nicht um mich. auf der galerie stand nämlich ein ungepaartes päärchen. sie redeten miteinander. zuerst unbemerkt, doch je länger je mehr mit mir als zuhörer.

sie waren beide aus einem fremden land (der sprache nach zu urteilen jedenfalls). sie war zwar nicht die schlankeste, aber ihr rundliches gesicht hatte eine menge charme. sie trug ein langes schwarzes kleid, das trotz der dunklen farbe nichts düsteres an ihr liess. sie strahlte eine überaus erkennbare zufriedenheit aus. ihre haare waren sorgfältig hochgesteckt und passten zu ihrem gepflegtem aussehen.

er hatte längeres zerzaustes haar und schaute recht düster drein, vor allem wenn man bedenkt, was beschauliches vor ihm stand. er sah eigentlich mehr danach aus, als würde er sich demnächst hinunterstürzen. über das geländer in die tiefe. nicht, dass ich üblicherweise an so etwas keine freude gefunden hätte und den selbstmordkandidaten zum überwinden seiner eigenen feigheit vor dem sprung mit zurufen zu motivieren versucht hätte, aber an diesem abend war etwas in der luft, was es selten gibt (und vor allem nie, wenn ich in begleitung unterwegs bin). aber vielleicht war es auch nur, dass ich beide hände voll hatte und nicht zum absprung hätte applaudieren können und meine kehle brannte, da ich mehr baccardi als cola mischte.

er drehte sich gerade etwas halblegales, was, wie ich später erfuhr, wohl so das ziemlich einzigste war, was er dieser stadt abgewinnen konnte. sie schaute ihn dabei an und strahlte.

sie begann zu erzählen, wie sie hierhin gekommen war. nicht nur der weg in die stadt, sondern der weg bis hierhin. auf diesen balkon mit einer umgebungstemperatur unter null grad, dafür 200 meter über der stadt...

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Sie
Die zwei
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Und dann?


text: Ernst Hafter; satz: Ernstine S.
2001 / http://beles.com